Sie sind hier

Schriftgröße

Zu einer Berufsentscheidung kommen und als Persönlichkeit wachsen

Bamberg - Freiwilligendienstleistende berichteten dem Bundestagsabgeordneten Andreas Schwarz von ihren positiven Erfahrungen mit FSJ und BFD

Luis Staudigel ist ein gutes Beispiel dafür, was ein Freiwilliges Soziales Jahr bewirken kann. „Als ich aus der Schule kam, hatte ich keinen Plan, was ich beruflich machen soll“, bekennt er. Inzwischen arbeitet er als Pflegehelfer im Caritas-Seniorenzentrum St. Kilian in Hallstadt.

Die Erfahrungen der Freiwilligen standen im Mittelpunkt eines Gesprächs mit dem Bamberger Bundestagsabgeordneten Andreas Schwarz. Organisiert hatten es der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg und das Erzbischöfliche Jugendamt. Sie sind im Erzbistum Bamberg die Träger von Freiwilligem Sozialem Jahr (FSJ) und Bundesfreiwilligendienst (BFD). Rund 90 Freiwillige vermitteln sie pro Jahr in soziale Einrichtungen und betreuen diese bei ihrem Einsatz, u.a. durch Besuche an der Einsatzstelle.

Durchweg positiv beurteilen die jungen Menschen ihren freiwilligen Dienst. Lena Albert sieht im BFD eine gute Möglichkeit, ein Berufsfeld anzuschauen, ob es das richtige für einen ist. Sie will Medizin studieren und absolviert ihren Dienst in einer Klinik. Frederik Fischer arbeitet im Jugendkulturtreff „ImmerHin“, in dem auch das Gespräch stattfand. Er hat „gelernt, größere Aufgaben selbst zu bewältigen“. Sein FSJ versteht er auch als Beitrag für die Gesellschaft.

Johannes Hörlein empfindet es als positiv, dass er im FSJ andere Alters- und Bevölkerungsgruppen kennenlernt. Bei der Pfadfinderschaft St. Georg in Nürnberg kann er mit Hauptamtlichen zusammenarbeiten, die schon Berufserfahrung besitzen. Einen sozialen Beruf ergreifen will Sara Joy McKinney. Sie ist im Caritas-Seniorenzentrum St. Josef in Gaustadt auch auf der beschützenden Station tätig. Den Umgang mit Demenzpatienten erlebt sie als besondere Herausforderung, sich auf andere Menschen einzustellen.

Daher sieht sie die Seminare, die FSJ und BFD begleiten, als bereichernd an: „Dort erzählen andere FSJler von weiteren sozialen Feldern.“ So könne sie auch Kontakte knüpfen und nach der Schule einen neuen Freundeskreis finden.

Die Seminare, die vom Jugendamt organisiert und gestaltet werden, bieten politische Bildung, Berufsorientierung und Selbstreflexion, aber auch Erlebnispädagogik mit Kanufahrten oder Hochseilgarten. Luise Maaß, die ein BFD in einer Klinik in Burgebrach absolviert, betont, dass die Seminare Gelegenheit geben, gerade über schwierige Erfahrungen zu reden. Luis findet sie wichtig, um Sterben und Tod zu bewältigen.

Johannes schätzt es, bislang unbekannte Aspekte des Lebens kennenzulernen. So hätten sie unter dem Thema Spiritualität mit einer Nonne, einem Sektenaussteiger und einer Schamanin gesprochen und im Stadtrat mit Politikern aller Parteien diskutiert. Sara ist auch selbst aktiv geworden. Sie hat ein Planspiel vorbereitet und Informationen über eine Sekte aufbereitet.

„Bei mir rennen Sie offene Türen ein“, bekannte der Abgeordnete Andreas Schwarz. Es sei bemerkenswert, wie sich junge Menschen Gedanken machen über die eigene Zukunft und die der Gesellschaft. Menschen, die sich mehr als andere für die Allgemeinheit einsetzen, seien ein hohes Gut, auf das gerade die Kommunen nicht verzichten könnten.

Diözesan-Caritasdirektor Helmar Fexer betonte, dass die Freiwilligendienste „keine Sozialromantik“ darstellten. Die in FSJ und BFD vermittelten Kompetenzen wie Solidarität, Emanzipation und Teilhabe spielten für die Gewinnmaximierung oder im Kampf um Einfluss zwar keine Rolle. Sie seien aber eine „knallharte Erfordernis“, um Gesellschaft zu organisieren.

Solche Werte zu vermitteln, sei dem Erzbischöflichen Jugendamt ein besonderes Anliegen, sagte dessen stellvertretende Leiterin Dr. Susanne Krogull. Bei BFD und FSJ gehe es nicht nur darum, Nachwuchs für soziale Berufe zu gewinnen. Sie sollten auch eine Zeit sein, damit Jugendliche sich nach der Schule nicht gleich für einen Beruf entscheiden müssten.

Fexer und Krogull beklagten allerdings, dass die vom Bund für 2019 zugesagten Fördermittel teilweise nicht ausbezahlt worden seien und auch für 2020 noch nicht gesichert sei, dass der Mittelzuwachs erhalten bleiben wird. Schwarz versprach, dem nachzugehen und sich bei den Haushaltsverhandlungen für die Freiwilligendienste einzusetzen.

Wer sich für ein FSJ oder BFD interessiert, kann sich wenden an: Erzbischöfliches Jugendamt, Referat FSJ/BFD, Kleberstraße 28, 96047 Bamberg, Tel 0951 8688-28 oder -14, E-Mail: fsj@eja-bamberg.de oder bfd@eja-bamberg.de.